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Mondrian v. Lüttichau: DISSOZIATION UND TRAUMA. Grundlagen für Betroffene und HelferInnen

 

Die traumabedingte Dissoziation ist ein bedeutsamer neurobiologisch fundierter schlüssel zum verständnis existenzieller seelischer krisen und gehört zu den grundlagen der psychotraumatologisch orientierten psychotherapie. Demgegenüber gibt es im netz noch immer kaum praxisorientierte, fundierte und zugleich allgemeinverständliche Einführungen in diesen themenkreis.

In folgerichtigem zusammenhang informiert diese veröffentlichung über zentrale aspekte: Kindheitstrauma – Traumatherapie – Strukturelle Dissoziation – Borderline – DIS (Multiple Persönlichkeit) – Rituelle Gewalt – Psychose und Trauma. Grundlage der darstellung sind in jedemfall konkrete erfahrungen aus der langjährigen beratung und begleitung von traumabetroffenen, die durch psychotraumatologische erkenntnisse belegt werden. Zentrale texte des informationsportals www.dissoziation-und-trauma.de wurden für dieses e-book durchgesehen, ergänzt und in Zusammenhang gebracht.

Darüberhinaus soll mit diesem e-book die realität psychischer traumatisierungen in kindheit und jugend enger verknüpft werden mit den in meinem verlagsprojekt AUTONOMIE UND CHAOS BERLIN dokumentierten arbeiten (stichworte: vorgeschichte der NS-zeit, nazi-terror, progressive entfremdung/ verdinglichung in unserer zeit). All diese menschheitlichen erfahrungen gehören ja tatsächlich zusammen!

 

 
Rachel, Klaus, Moni, Lars, Habiba, Ben & Laura: UNSER SIEG ÜBER DIE RITUELLE GEWALT

 

Rachel war seit frühester kindheit RITUELLER GEWALT ausgeliefert. In den ersten lebensjahren galt sie als "geistig behindert", später wurde autismus diagnostiziert. Durch Gestützte Kommunikation (FC) wurde ab 1993 deutlich, daß sie nichts weniger als kognitiv beeinträchtigt ist. Als in rachels FC-botschaften zunehmend hinweise auf sexuelle gewalt auftauchten, wurde erst dies zum auslöser für erinnerungen von laura, ihrer mutter, an ihre eigene traumatische kindheit. Mutter und tochter waren opfer desselben germanofaschistischen kults gewesen, dem auch verwandte angehörten!

Bei rachel hatte sich eine dissoziative persönlichkeitsstruktur (multiple persönlichkeit) entwickelt. Sprechen wie selbständiges handeln ist für sie bis heute verknüpft mit verboten, schrecklichen erfahrungen und programmierungen der täter. Mithilfe der Gestützten Kommunikation haben verschiedene persönlichkeiten ihre systems seit 1993 auf weit über 1000 seiten umfassend über folterungen, demütigungen, programmierungen und sexuelle gewalt der täter berichtet. Neben den FC-dialogen mit der mutter entstanden selbstdarstellungen der innenpersönlichkeiten, gedichte. Auch an mehrere selbsthilfezeitschriften richtete rachel und ihr system auf austausch und unterstützung hoffende FC-briefe. Das stimmengewirr innerhalb der texte zeigt ein nuanciertes, aber orientierungsloses aufarbeitungs- und beziehungsbedürfnis. Diese botschaften sind ein überwältigender und erschütternder selbstheilungsversuch des multiplen systems.

Kaum je wurden die unterschiedlichen (und meist dazuhin irritierten) blickwinkel dissoziativer teilpersönlichkeiten auf die eigene traumatische lebensgeschichte sowie ihre schrittweise klärung und aufarbeitung über bald zwei jahrzehnte in einer publikation nuanciert dargestellt. Durch einen ebenfalls dokumentierten mailkontakt von 2011 wird die noch immer bestehende innere verwirrung eines multiplen systems nachvollziehbar, die schwierigkeit, etwas von dem grauenhaften konsistent und nachvollziehbar zu vermitteln, selbst wenn vertrauenswürdige bezugspersonen vorhanden sind.

Durch das hier vorliegende, in seiner vielschichtigkeit, nuanciertheit und stringenz singuläre zeugnis können wir vieles lernen über die psychodynamik von Struktureller Dissoziation (speziell bei DIS) wie über täterintrojekte und konditionierung bei Ritueller Gewalt, über die praxis von sexueller kinderversklavung (hier in deutschland!), aber auch über Gestützte Kommunikation (FC) und die gratwanderung zwischen fürsorge und selbstverantwortung bei menschen mit beeinträchtigungen, nicht zuletzt über lebenskräfte (resilienz), über die unabweisbare sehnsucht nach mitmenschlicher begegnung. - Wichtiger aber ist, daß diese dokumentation für laura, für rachel und alle persönlichkeiten ihres systems zum manifest einer grundlegenden abgrenzung wird: Das grauenhafte ist gewesen - aber es ist vorbei. Wir haben die Rituelle Gewalt nicht nur überlebt, - unsere menschlichkeit, lebenszugewandtheit und liebesfähigkeit hat gesiegt!

 (Nachwort mondrian v. lüttichau)

 

Achtung - triggerwarnung!
Die dokumentation enthält durchgängig beschreibungen brutaler gewalt.

 

 
Nora Waln: NACH DEN STERNEN GREIFEN

Deutschland, Österreich und Tschechoslowakei 1934-1938

 

Die US-amerikanische journalistin nora waln (1895-1964), aus wohlsituierter quäkerfamilie, erkundete von 1934 bis 1938 deutschland und österreich. Ihr 1939 in london und boston veröffentlichter bericht lebt von der für den leser nachfühlbaren zeugenschaft der autorin. Nora walns grundlegender blickwinkel ist ein humanistisch, idealistisch begründeter pazifismus ohne parteipolitische reflexionen, sowie eine zumindest mir sympathische affektiv besetzte gelehrsamkeit.  Immer deutlicher flackern in traulichen szenerien unvermittelt momente von gleichschaltung, unterdrückung und gewalt auf – selbst dies zunächst noch verkleidet in spießbürgerlicher ordentlichkeit, idealistischer begeisterung oder als seien es bedauerliche einzelfälle.

Nora waln zeigt sich im verlauf ihrer vier jahre in deutschland (und österreich) lernfähig, und sie dokumentiert die zögerliche wandlung ihrer zunächst sehr idealistischen einschätzung mit einem hauch bitterer ironie. Ihre zunächst naiv wirkende neutralität modifiziert sich mit den erfahrungen im nationalsozialistischen alltag zur feldforscherischen taktik. In verbindung mit ihrer sozialpsychologisch nuancierten beobachtungsgabe (und ihrer genuinen menschenliebe!) entsteht ein bericht, der nichts weniger ist als apolitisch.

Manche schilderungen harmonischer, idyllischer alltagsszenen oder auch traditioneller umgangsformen lassen sich heute kaum ohne widerwillen lesen. Nach 1945 gehörten solche erinnerungen in deutschland jedoch zu den wenigen scheinbar unkorrumpierten vorbildern für alltag und selbstgefühl. Im westen haben sie zumindest die adenauer-zeit wesentlich mitbestimmt, in der DDR scheinen sich versatzstücke daraus länger gehalten zu haben. Zur reflexion der NS-sozialisierten generationen über die verbrecherischen aspekte der nazizeit – gar noch im gespräch mit den nachgeborenen kindern – taugte entsprechendes selbstverständnis ebensowenig wie zu ihrer integration in die von massenmedien, konsum, kulturindustrie und "sexueller revolution" bestimmten gesellschaft nach 1950.

Heute, 50 jahre später, kann gerade nora walns laien-ethnografischer bericht für uns deutsche eine brücke schlagen zur welt unserer eltern, großeltern oder urgroßeltern.

Ihr augenzeugenbericht vom alltag im austrofaschismus (1936/37) läßt die spezielle österreichische mischung historischer hintergründe und innergesellschaftlicher ideologien und kräfte ahnen. Unabweisbar wird die geradezu mephistophelische raffinesse der schachzüge von NS-politik und -propaganda, mit der das öffentliche klima in österreich manipuliert wurde. Wieder ein anderer zeitgeschichtlicher blickwinkel auf die vorgeschichte des NS öffnet sich in ihrem umfangreichen kapitel zur situation in der tschechoslowakei, dem seinerzeit wohl fortschrittlichsten demokratischen impuls in mitteleuropa.

Bis in die letzten seiten des buches läßt sie die leserInnen teilhaben an ihren unvereinbaren erfahrungen und empfindungen in einem ideologischen spiegelkabinett. Gerade ihr tiefer ernst und ihre konsistente achtsamkeit über mehrere jahre ermöglichen uns, der damaligen soziodynamik in den von ihr rezipierten schichten und kreisen nachzuspüren. Solche zeitzeugenberichte aus dem blickwinkel individueller ("subjektiver") erfahrung und interpretation sind unverzichtbare erkenntnisquellen, die durch prozeßsoziologische bzw. mentalitätsgeschichtliche forschungsansätze behutsam erschlossen werden können.

Der text bietet sich nicht an zur selbstgerechten unterscheidung von bösen nazis und unschuldigen bürgern, sondern nötigt zur reflexion der vielschichtigen verstrickungen der deutschen bevölkerung jener zeit. Er ist ein atemberaubend hautnahes, geradezu intimes, einfühlsames – aber zugleich gespenstisches dokument aus dem innenleben nazideutschlands.

Nora waln engagierte sich bereits mit 20 für die 1915 fast ausgerotteten armenier, später lebte sie 20 jahre in china, schrieb darüber zwei seinerzeit populäre bücher. Nach 1945 arbeitete sie als journalistin in mehreren ländern des fernen ostens.

Das hier neuveröffentlichte buch erschien 1939 (in zwei unterschiedlichen versionen) in london und boston. Weitgehend unbeachtet kam 1947 eine deutsche ausgabe heraus.

Für diese erste deutsche neuausgabe wurde die übersetzung revidiert, gestrichene passagen wurden integriert. Ergänzt wurden zeitgeschichtliche anmerkungen sowie ein nachwort des herausgebers mondrian v. lüttichau.

 

 
Kurt Münzer: MENSCHEN AM SCHLESISCHEN BAHNHOF

 

Berlin 1929. - Der idealistische bürgersohn peter hat sich ins zille-milieu am schlesischen bahnhof verlaufen; schwärmerisch verliebt er sich in anna, ein mädchen von dort. Das kann nicht gutgehn. Er lernt elli kennen, die bei aller seelischen und körperlichen zerstörung hilflos-naive alte hure, annas mutter. Mit dem jungen ganoven paul entsteht zaghafte, mißtrauische nähe. Eine lebenskluge großmutter taucht auf und toni, ihr verkrüppelter, heimlich gedichte schreibender 13jähriger enkel. Jede begegnung, jedes gespräch läßt peter andere wahrheiten ahnen. Öffnet ihm die augen für verdrängte momente der sozialen realität wie der eigenen lebensgeschichte. In einer tragikomischen dreiecksgeschichte zwischen peter, anna und paul führen unterschiedliche traumatische kindheitserfahrungen zur katastrophe. Dann ein gnadenlos wahrhaftiger abschied - in st. pauli, am hamburger hafen. Was bleibt, ist sinnlich-sinnhaftes leben: das meer, die möwen, die städte. Wenn wir unser existenzielles alleinsein annehmen, wird alles (die welt) zum gegenüber, - vielleicht eine reminiszenz münzers an martin bubers dialogische mystik.

Zerrissene, zutiefst ambivalente sehnsucht nach kindlicher mutterbindung und/oder erotischer liebe (zwischen hetero- und homosexualität, zwischen abgestumpftem egoismus und idealistischer sublimierung) - kurt münzers lebensthema! - wird hier fast allgemeingültig, in poetischer verdichtung dargestellt.

Die erstausgabe des romans erschien 1930 in dem avantgardistischen verlag bruno cassirer. In manchem eine antwort auf 'Berlin Alexanderplatz' (1929), fehlen dieser geschichte döblins artifizielle literarische techniken und seine langatmigkeit. Dafür ist der fast vergessene jüdisch-deutsche expressionist kurt münzer wohl näher dran an alltag, leid und lebensgefühl von proleten, kindern, huren und gangstern rund um den friedrichshain und am schlesischen bahnhof (heute ostbahnhof), im wedding (dem andern zille-kiez), im scheunenviertel und am alex.

'Menschen am Schlesischen Bahnhof'  ist eine letzte bittere liebeserklärung münzers an die berlinerInnen im schmuddligen untergrund der glamourösen zwanziger jahre. Auf der straße marschieren bereits die nazis.. 1933 brennt auch dieses buch. Der autor emigriert in die schweiz, wo er 1944 stirbt.


Von kurt münzer wurden  bei A+C außerdem wiederveröffentlicht die romane 'Jude ans Kreuz!', 'Phantom'  und 'Esther Berg' sowie 'Bruder Bär', eine sammlung von novellen.

 

 
Michael Brink: DON QUICHOTTE. Bild und Wirklichkeit

 

Zunächst engagierte sich der 1914 geborene emil piepke (später michael brink) in katholischen jugendorganisationen; dann kam der NS-arbeitsdienst und übergangslos das militär. Bald hatte er kontakt aufgenommen zu dem münchner Kreis der Weißen Rose, zum Kreisauer Kreis, aber auch zu aufrührerischen militärs. Er selbst bezeichnete sich manchmal als "ordonnanz" dieser gruppen. Er gehörte zu einem kreis kirchenkritischer katholiken um johannes maaßen und war eng befreundet mit dem später hingerichteten widerstandskämpfer alfred delp SJ.

Im winter 41/42 kam er schwerverwundet aus rußland zurück. Im frühjahr 1942 erschien das hier neu aufgelegte buch Don Quichotte. Bild und Wirklichkeit. Schon wenige wochen nach erscheinen war es ausverkauft, auch eine zweite auflage war bereits vergriffen, als (angeblich) stalingradkämpfer sich darüber empörten, daß so etwas erscheinen könne, während sie ihr leben einsetzten. Das Buch wurde verboten. Abschriften davon kursierten unter jungen menschen, nicht zuletzt im umkreis der Weißen Rose.

Michael Brink wurde im Frühjahr 1944 verhaftet und ins KZ sachsenhausen überstellt. Auf dem todesmarsch der KZ–häftlinge konnte er fliehen. Inzwischen war er schwer an lungentuberkulose erkrankt.
1945 heiratete michael brink die junge malerin roswitha bitterlich. 1946 kommt beider tochter zur welt. Michael brink kämpft in einem sanatorium um sein leben. Im selben jahr erscheint sein vermächtnis, das buch 'Revolutio humana', eine bedeutende theologische veröffentlichung jener jahre, – geschrieben in prophetischer radikalität und noch aus der erschütterung durch leichenberge in den KZ, zerrissene soldaten, das leid der bevölkerung, zerstörte städte, das geschrei von hitler und goebbels. Das ist der mensch? Was ist der mensch? (Auch diese arbeit wurde bei A+C wiederveröffentlicht.)

Michael brink kämpfte als soldat "für sein volk", erkannte aber zunehmend das eindeutig verbrecherische des von der deutschen wehrmacht betriebenen vernichtungskrieges. Angesichts dieser aporie, dieser sozialen zerrissenheit war orientierung und perspektive nur in anderen sphären menschlicher lebendigkeit zu finden; so dürfte der 'Don Quichotte' entstanden sein. Michael brinks kaleidoskopische, zwischen romantik und theologie, politischem widerstand und spiritualität sprühende predigten (denn das sind es nicht zuletzt!) sollten wir auch als ausdruck poetischer wahrheit verstehen, – einer poesie allerdings, in der bislang unvorstellbares grauen antezipiert ist. Die figur des Don Quichotte stellt er vor uns hin als archetypus, der wohl erst in unserem zeitalter einer progressiven verdinglichung der menschenwelt seine tiefste bedeutung erhält.

Individuell und konkret zu klären, wozu wir auf der welt sind, ohne außerhalb unserer selbst liegende evidenz, in der wir uns (wie auch immer imaginativ oder projektiv, religiös oder philosophisch) spiegeln können, fällt schwer in einer welt von relativität, verdinglichung und ideologie. - In brinks arbeiten fand ich analysen der menschheitlichen situation und perspektiven eines lebenswerten weiterexistierens der menschheit (trotz der kriege und völkermorde aller zeiten und weiterhin!) aus christlicher, katholischer perspektive.  Für mich war klar, diese texte müssen eine zweite chance bekommen!

(Mondrian v. lüttichau, aus dem nachwort)

 

 
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