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Übersicht

Auf diesen Seiten finden Sie zu jedem Buch eine kurze Einleitung und die Möglichkeit, es per Klick auf den PDF-Link zum Lesen zu öffnen. Alle Bücher können Sie kostenfrei speichern und bei Bedarf auch ausdrucken (Seitenformat DIN A 4).

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Kurt Münzer: BRUDER BÄR. Ausgewählte Novellen und Feuilletons

  (Nachwort Michael Helming)                                                                                                

Es fröstelt stets ein wenig, selbst im Sonnenschein. Eine seltsame Unsicherheit liegt über allem, eine lichtschwache Zeitenwende. Die Dinge können noch so schillernd beschrieben sein, etwas in ihnen ist ausgewaschen, fahl, bleich. Wo Brückenpfeiler sich aus blassem Dunst lösen, da erscheint eine Stadt. Tinte kann ebenso blass sein, eine Kerzenflamme, ganze Landschaften und die Milchstraße. In dieses Universum schreibt Kurt Münzer mit Herzblut eine Menschheit hinein, die den Dingen gleicht; Annäherung entgleitet ihr zur Anpassung, gegen die sie sich einerseits sträubt und an der sie andererseits zerbricht. Das sind keine Automaten, sondern Charaktere, in eine sich rasch verändernde Zeit geworfen, und die damit einhergehende neue Ordnung produziert Chaos. Als Personen funktionieren sie, oft gegen ihren Willen oder ohne ihr Funktionieren auch nur zu ahnen. Dann suchen sie plötzlich den Ausbruch, eine Korrektur, die Tat. Andere hingegen haben sich dem, was sie als Schicksal begreifen wollen längst schon ergeben: "Der wilde Indianer wischte sich Schminke und Tätowierung ab und wurde ein blasser, armer, stiller Mensch, der vielleicht glückliche Jugend, schuldlose Sünde, unfreiwillige Abenteuer seines Lebens überdachte.“ Manchmal beschattet ein brauner Hut ein fahles Gesicht. Ganz gleich jedoch, ob milde, alte Dame, feuchtwangiges Mädchen, schüchterner, ängstlicher Jüngling oder Herr, den Lebenden fehlt es an Farbe, denn Münzer setzt die Pigmente geschickt außerhalb seiner Figuren.  (Aus dem Nachwort)

Diese sammlung wurde für die vorliegende publikation zusammengestellt. Bei A+C wiederveröffentlicht wurde bereits kurt münzers roman 'Jude ans Kreuz!'.

 

 
Wahrheit der Seele – Ida v. Lüttichau (1798-1856)

Dresden im vormärz. - Hoftheater mit verfeindeten künstlerischen koryphäen und stars, unter dem einfluß von kirche, hof und bürgertum. Zerstörte menschenleben und komplizierte ideologische fronten der revolutionszeit. - Ida v. lüttichau ist die frau des dresdner hoftheater-intendanten, vertraute des dichters ludwig tieck und von dessen tochter dorothea, des universalgelehrten carl gustav carus und des historikers friedrich v. raumer. Früh tritt sie für richard wagners musik ein. Tod dreier kinder, lebenslang chronische schmerzen, ein zwiespältig-bürokratischer ehemann, von vielen verehrt wie eine heilige: Wer war diese frau? - Erst im überschauen des verstreuten schriftlichen nachlasses sowie von zeugnissen der zeitgenossen wird ihr stetes bemühen um achtsamkeit für feinste lebensregungen in sich und anderen deutlich. Idas grundlegende haltung dem leben gegenüber war ein horchen nach innen, um dort existenzielle antworten zu finden. Diese orientierung an der eigenen mitte entfaltete sich angesichts der vom leben an sie herangetragenen aufgaben in dresden zu umfassender tiefgründigkeit auch gegenüber der sozialen außenwelt.
In dieser dokumentation sind nahezu alle zu verschiedenen zeiten verstreut veröffentlichten texte und zitate ida v. lüttichaus gesammelt, außerdem alle relevanten zeitgenössischen erinnerungen an sie. Dazu kommen einige hier erstmals veröffentlichten tagebuchaufzeichnungen und briefe sowie ein vorwort des herausgebers.

Hinter dem bemühen, ida v. lüttichaus vermächtnis jetzt, 150 jahre nach ihrem tod, ans tageslicht zu bringen, steht die überzeugung, daß wir menschen wie sie unbedingt brauchen: als anstoß, als orientierung und vorbild zu menschenwürdigem leben - gegen verdinglichung unseres seelenlebens und instrumentalisierung der natur um uns.

 

Eine nachfolgepublikation mit bislang unveröffentlichten handschriften (tagebuchblätter, briefe) und aktuellen beiträgen erscheint 2012.

Übrigens: Ida v. lüttichaus grabstelle läßt sich mit einiger mühe auf dem dresdner trinitatis-friedhof finden. - Noch ist sie in sehr schlechtem zustand; jedoch soll das familiengrab bis zu idas geburtstag im mai 2012 umfassend restauriert werden!


auc-26-wahrheit.pdfalt 18,7 MB   (Download des PDF dauert ziemlich lange - Bitte geduld!)

 
Heidi schmidt: DAS AKROBATENBUCH

  (Herausgeber: mondrian v. lüttichau)                                                                                             

Heidi schmidt war eine originäre kreative stimme der feministischen kunst & literatur in der BRD. 1974/5 erschienen von ihr drei schmale bücher mit prosa, 1979 der hier wiederveröffentlichte band: szenen einer lebensgeschichte in aquarellen und zeichnungen.  

Heidi ging es darum, rollennormen und sozialisationsgrenzen, denen frauen unterworfen sind, im wirklichen leben sinnlich-emotional zu überschreiten, - selbstbestimmt erfahrungen zu machen, diese selbstbestimmt zu interpretieren und zu beschreiben. Dazu gehörte die zunehmende bewußtheit um eigene seelische verwundungen und entfremdungsformen, aber auch die abgrenzung von damals vorherrschenden ideologemen: "man sagt guck mal da kommt das politgroupie es ist noch nicht entschieden wer links ist und wer nicht ich bin nicht in der lage trennungen zu akzeptieren".

Heidi hatte bei all ihren individuellen nöten mehr autonomie, mehr revolutionäre lebendigkeit als viele der '68er-ideologInnen: "weil wir lügen sind wir unverständlich weil ein missverhältnis zwischen unseren ansprüchen von uns und uns als person besteht gibt es kompliziertheiten gibt es etwas zu verschweigen etwas 'uninteressantes' 'das private ist nicht so wichtig bei der politischen arbeit' aber ich kann doch nicht trennen ich will nicht trennen das würde mir den kopf zerreissen".

Die entfremdung im sozialen alltag und innerhalb der gesellschaftlichen strukturen hat seither zugenommen. Andererseits sind neue widerstandsformen entstanden, auch das bewußtsein über geschlechtsrollen und instrumentelle vernunft scheint im alltag angekommen zu sein. Heidi schmidts sinnlich-konkret dargestellte schrittweise bewußtwerdung der eigenen verinnerlichten entfremdung und deren korrespondenz mit der sozialen "normalität" hat an aktualität nicht verloren. Heidi war radikal - wenn auch kaum im sinne der damaligen linken gruppennormen. Ihre arbeiten kamen wohl 30 jahre zu früh.

Niemand scheint zu wissen, was aus heidi schmidt geworden ist. - - Ich mochte nicht hinnehmen, daß diese künstlerin und autorin ganz vergessen wird!

(Mit einem bibliografischen nachwort.)

 

auc-45-akrobatenbuch.pdfalt 17,12 MB      Der download dauert etwas länger! - Bitte geduld!

 
Martha Wertheimer: ENTSCHEIDUNG UND UMKEHR

  (Herausgeber: mondrian v. lüttichau)                                                                                              

Der hier erstmalig wiederveröffentlichte roman erschien 1937 (unter dem titel 'Dienst auf den Höhen'). Die autorin wurde 1942 ermordet, wahrscheinlich im vernichtungslager sobibor.

Martha wertheimer studierte in frankfurt/m., arbeitete als redakteurin, war fechterin, engagierte sich für das frauenwahlrecht. Sie verstand sich als zionistin und übernahm nach 1933 vielfältige aufgaben in entsprechenden institutionen, organisierte und begleitete transporte jüdischer kinder ins rettende ausland. Nachdem ihrer schwester (mit der sie dauerhaft zusammenlebte) der paß entzogen worden war, entschied sich auch martha, in deutschland zu bleiben. Sie engagierte sich stärker im religiösen leben, übernahm funktionen, die sonst rabbinern vorbehalten waren. Dabei orientierte sie sich an jüdischen gelehrten und (reform–) rabbinern, die brücken schlagen wollten zwischen dem 20. jahrhundert und dem spirituellen und ethischen gehalt der jüdischen tradition: leo baeck, martin buber, franz rosenzweig, max dienemann und anderen.

'Entscheidung und Umkehr' interpretiert das biblisch überlieferte geschehen um die könige david und salomo sowie salomos schwester tamar. Das unmittelbare bündnis gottes mit den juden als gemeinschaft legt das gewicht der religio (der rückbindung an eine übergeordnete grundlage menschlichen seins) auf die diesseitige menschliche gemeinschaft: Gottes wahrheit läßt sich nur im menschlichen miteinander verwirklichen! Die befreiung des judentums aus angemaßter macht oder totem ritual erwächst aus individuellen entscheidungen in der sozialen gegenwart; - diese grundlage der jüdischen religiosität gilt für martha wertheimer (in orientierung vor allem an dem religionsphilosophen martin buber) auch für ihre eigene zeit - und sie ist heute mehr denn je eine relevante alternative zum christlichen verständnis göttlicher gnade.

'Entscheidung und Umkehr' ist darüber hinaus eine der ersten (angemessenen) literarischen darstellungen der folgen einer vergewaltigung im kindesalter aus dem blickwinkel der betroffenen frau. Herzzerreißend deutlich wird das persönliche leid des mädchens tamar als opfer männlicher arroganz der macht vermittelt - tamars versuche, die vergewaltigung durch den halbbruder seelisch zu überleben. Im ganzen buch wird martha wertheimers besondere aufmerksamkeit deutlich für das empfinden der beteiligten frauen, ein blickwinkel, der in der biblischen überlieferung keine rolle spielt. - 'Entscheidung und Umkehr' wird getragen von wertheimers sehnsucht nach einer menschenwürdigen welt jenseits von patriarchalischer machtgier – und ihrer hoffnung darauf. Hier hat martha wertheimer ihre liebe zum leben bewahrt, ihre tiefe menschenkenntnis und ihre trauer über das leid, das wir menschen einander zufügen ungewollt oder willentlich, zu allen zeiten. Das buch ist eine der bedeutenden botschaften des vernichteten deutschen judentums, ist teil des zeitlosen widerstands gegen zerstörung des lebens durch vom ganzen der welt abgespaltene menschenmacht.

Mit einem anhang: Martha wertheimer über hanna rovina und das zionistische theater HABIMA.

(Achtung: Martha wertheimer wurde 1890 geboren, nicht 1880, wie im buch behauptet. Der fehler wird in der 2. auflage korrigiert werden!)


auc-39-wertheimer.pdfalt 1,73 MB     

 
Mondrian w. graf v. lüttichau: ELSTERN IN BERLIN

Teil eins: Westberlin & hauptstadt

Aus dem tagebuch meiner ersten beiden jahre in westberlin (1984-86). Deutlich wird das ganz eigene lebensgefühl in dem von der mauer umschlossenen 'politischen gebilde', das - von innen gefühlt - kaum mehr mit der BRD zu tun hatte als mit frankreich oder holland. Dafür wurde ostberlin, die hauptstadt der DDR, bald zum untrennbaren teil meiner neuen heimat BERLIN.

Teil zwei: Berlin

Tagebuch der aufwühlenden zeit zwischen september und dezember 1989. Da saß ich in westberlin und habe atemlos, erschüttert und voller enthusiastischer spannung DDR-medien verfolgt und dann, vor allem nach dem 9.11., die täglichen veränderungen in ganz berlin miterlebt.

Teil drei: Meine liebsten bücher aus der DDR

Rund 400 bücher werden (mit bibliografischen angaben) aufgelistet, die zum großen teil schon jetzt vergessen sind. In ihnen ist viel vom lebensgefühl und vom alltag in der DDR bewahrt, - vielleicht mehr als in den wenigen allseits bekannten ('anerkannten') werken der DDR-belletristik.

 

 
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