"Findet die Stellen in einem Buch, mit denen ihr etwas anfangen könnt. Wir lesen und schreiben nicht mehr in der herkömmlichen Weise. Es gibt keinen Tod des Buches, sondern eine neue Art des Lesens. In einem Buch gibt's nichts zu verstehen, aber viel, womit man etwas anfangen kann. (...) Das Buch ist kein Wurzel-Baum, sondern Teil eines Rhizoms, Plateau eines Rhizoms für den Leser, zu dem es paßt. Die Kombinationen, Permutationen und Gebrauchsweisen sind dem Buch nie immanent, sondern hängen von seinen Verbindungen mit diesem oder jenem Außen ab. Jawohl, nehmt was ihr wollt!" 

GILLES DELEUZE / FELIX GUATTARI:  Rhizom

 

Initiator des projekts: mondrian (ursprünglich: wolfgang) graf v. lüttichau, geboren 1952 in württemberg. Seit 1966 tagebücher geschrieben.  1968-71 mitarbeit bei einer schülerzeitung. 1971-73 internat in heidelberg, abitur. Bundeswehr, buchhändlerlehre.  1977 mit gise nach wuppertal-elberfeld. Buchhändler, dann lagerarbeiter und skimonteur in einem warenhaus. Seit 1977 rezensionen für das ULCUS MOLLE INFO BOTTROP (bundesweiter vertrieb von alternativliteratur). 1979/80 gründungsmitglied des kreisverbands wuppertal der GRÜNEN.  Seit 1980 informelle ausreißerhilfe, zeitweilig in kooperation mit der INDIANERKOMMUNE NÜRNBERG. (Siehe dazu die anmerkung hier unten!)  Enge kontakte mit der westdeutschen bzw. westberliner hausbesäzzer-szene.  1981 umzug zurück nach heidelberg, verlagsbuchhändler beim VERLAG LAMBERT SCHNEIDER. Gründung des selbstverlags AUS AUTONOMIE & CHAOS (ISBN-Verlagsnummer: 923211). (Erste buchhandelstitel: 'Das buch des li pe-jang, genannt lao tse', 'Das Buch Tani Mara', 'Marsmenschlichkeit'.) 1983 umzug nach schwäbisch hall (sulzdorf)
1984
umzug nach westberlin. Dort arbeit als lagerist und verkäufer (im medizinisch-technischen großhandel)1986-90 immatrikuliert an der FU BERLIN (OSI) (politikwissenschaften, soziologie), kein abschluß, dabei teilzeitbeschäftigt bei IKEA.   1990-93 studium sozialpädagogik (schwerpunkt behindertenpädagogik) an der ALICE SALOMON-FACHHOCHSCHULE BERLIN (ASFH). Arbeit in wohnheimen für erwachsene mit kognitiver beeinträchtigung ("geistig behinderte").   1995-98 heilpädagoge in einem enthospitalisierungsprojekt lebenslang fehlplazierter erwachsener mit kognitiver beeinträchtigung (Wilhelm Griesinger-Krankenhaus Berlin-Hellersdorf/Marzahn). 1998-2000 gestaltungs- und soziotherapeut in der akutpsychiatrie (auch im WGK).
2000
umzug nach leipzig. Verschiedene tätigkeiten im sozialpsychiatrischen arbeitsfeld.  2002-2006 anleiter einer borderline-selbsthilfegruppe. Seit 2004 aufbau der (ehrenamtlichen) TRIALOGISCHEN BORDERLINE-BERATUNGSSTELLE LEIPZIG (seit 2008 www.trauma-beratung-leipzig.de). Ehrenamtliche mitarbeit bei der SÄCHSISCHEN GESELLSCHAFT FÜR SOZIALE PSYCHIATRIE e.V.  2009 online-verlag www.AUTONOMIE-UND-CHAOS.de.

 

Bereits der heidelberger selbstverlag AUS AUTONOMIE & CHAOS entstand, weil ich die bis dahin vorliegenden manuskripte nicht als rohmaterial für verlagslektoren verstehen wollte. Mein lebensthema sind entfaltungsmöglichkeiten unentfremdeter (?), authentischer (?) menschlicher lebendigkeit, - synergien und synthesen, rhizomorphe verbindungen. Dazu passen keine verlagskriterien, die sich an etablierten themen, standpunkten, literarischen stilen und rechtschreibreformen orientieren, um möglichst viele menschen zum kauf der bücher zu bewegen. – Bald erkannte ich jedoch, daß es nichts nützt, wenn meine bücher im Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) stehen: ohne reklame wird niemand sie kaufen. So schlief diese erste stufe des verlags sacht ein. Bücher, die später entstanden, habe ich nur noch als fotokopien in einzelexemplaren weitergegeben, meist an freunde.

Das Internet hat, wie wohl jeder fortschritt, zwiespältige funktionen und wirkungen. Einerseits trägt es bei zum verlust sinnlich-konkreter zwischenmenschlicher begegnungen, andererseits ermöglicht es neue, weltweite kommunikationsformen, wodurch es mit sicherheit zur ausdifferenzierung des menschlichen bewußtseins beitragen wird.

Wenn ich jetzt meine bücher (und auch arbeiten anderer) als volltext ins World Wide Web stelle, setze ich auf die kreativen aspekte des internet – obwohl die entwicklung dieses mediums natürlich völlig offen ist.

  Begegnungen, empfindungen und gedanken.. - was wir sind und was wir erfahren, kommt aus der fülle des lebens, - alles trifft in uns zusammen und bildet bewußtsein; manchmal wird musik daraus, bücher oder tanz, bilder oder theater. Meine bücher wollte ich seit jeher über mich hinaus weiterfließen lassen ins leben, wo sie herkamen..
Durch das World Wide Web ist es erstmalig möglich geworden, die verbreitung von menschlichem bewußtsein grundsätzlich abzukoppeln von der ideologischen phantasmagorie eines geldlichen warenwertes.
Falls irgendwas revolutionär ist am internet, dann dies.

Früher hielten seriöse verlage ihre publikationen am lager, bis das letzte exemplar verkauft war; das durfte auch 20 jahre dauern. Heute werden die allermeisten neuerscheinungen nach 3-5 jahren verramscht; die buchpreise sind daraufhin kalkuliert. Dieser vorgabe entsprechend werden manuskripte angenommen bzw. verlagsseitig umgeschrieben; dies gilt selbst für fachbücher. - Kommerziell verlegte bücher (printmedien) haben von daher kaum mehr die möglichkeit, lebendiges bewußtsein dauerhaft ins soziale leben zu integrieren! Hier liegt mittelfristig eine entscheidende aufgabe von online-publikationen.

AUTONOMIE & CHAOS ONLINE möchte vorteile von web und printmedien verbinden:

> Vernetzen per link..
> Kostenfrei lesen und herunterladen, die pdf-suchfunktionen nutzen..
> Papierausdrucke (und einbände) nach belieben herstellen (lassen), z.b. im copy shop..
> Dauerhaft verfügbar auf dieser website..
> Die veröffentlichungen sind (mit ISBN) in der Deutschen Nationalbibliografie verzeichnet und als datei langzeitarchiviert. Sie können dort eingesehen werden auch, wenn es dieses projekt nicht mehr geben wird; - es sind also zitierbare quellen.

Wir wollen diese bücher loslassen, - sie sind jetzt einfach in der welt. Wer auf diese website stößt, wird ja sehen, was er oder sie damit anfangen kann. Niemand soll überredet werden, sich etwas zu kaufen, jeder kann sich frei entscheiden, ein stückweit verantwortung für das eine oder andere buch zu übernehmen, indem sie oder er sich damit befaßt, es gar herunterlädt und eventuell weitergibt. – Die bücher erzählen von leben, das durch mich und andere menschen hindurch geschehen ist; wir waren zeugen. Indem wir die bücher ins World Wide Web stellen, geben wir die verantwortung für diese zeugenschaft weiter, - all denen, die sie annehmen mögen.

 


 

Aktuelle anmerkung im zusammenhang mit der öffentlichen diskussion über pädosexualität:

Derzeit werden in den medien katholische funktionäre, "reform-"pädagogen und bestimmte vertreter der politischen linken angeprangert als pädosexuelle täter oder deren angebliche sympathisanten. So begrüßenswert es ist, daß das tabu gegenüber sexueller gewalt wieder ein stückweit aufgelöst wird, sollte dies nicht davon ablenken, daß die allermeisten sexuellen (und anderweitigen) traumatisierungen von kindern/jugendlichen im umfeld der herkunftsfamilien stattfinden! Es sollte nicht wieder ignoriert werden, wie es sehr vielen kindern in unserer gesellschaftlichen normalität geht: ohne zugewandte eltern, aber ruhiggestellt mit spielzeug, medien und geld, ohne berufliche perspektive, der psychopathologie der eltern ausgeliefert innerhalb der nach außen isolierten familien-"burg" oder abgeschoben in internate.

Auch darum geht es in manchen meiner autobiografischen bücher. Weil ich selbst ein solches kind war, wollte ich lange zeit nichts wissen von den "verwachsenen" und  hatte "zu lange" und "zu eng" mit kindern zu tun.  –  Als ich 16-21 war, kam es innerhalb vielschichtiger begegnungen und z.t. langjähriger freundschaften auch zu zärtlichen erotischen kontakten mit 11-15jährigen kindern/jugendlichen. Diese situationen werden in den hier veröffentlichten autobiografischen büchern in ihrem damaligen stellenwert dargestellt, da auch sie ein moment der komplexen psychologischen wahrheit jener begegnungen sind. Jedoch stehen im mittelpunkt dieser bücher kinder, die von eltern und angehörigen mißachtet wurden und ernstgenommen-werden und bindungskontakte deshalb woanders suchen mußten. Daneben geht es natürlich um mich, der ich emotionale nähe erstmalig im leben bei solchen kindern fand. -


Die INDIANERKOMMUNE ist seit mitte der 70er jahre unter anderem eingetreten für die legalisierung gewaltfreier sexueller kontakte zwischen kindern und erwachsenen. Dies war in den 80er jahren für mich wie für viele andere in der linken szene der BRD ausdruck des widerstands gegen repressalien von erwachsenen gegenüber der autonomen lebendigkeit von kindern/jugendlichen. Obwohl ich eine solche legalisierung heutzutage ablehne, sehe ich die INDIANERKOMMUNE auch im rückblick nicht als interessenorganisation pädosexueller erwachsener.  Wesentlicher erscheint mir ihr eintreten für kinderrechte (gegenüber bürokratischer und eltern-macht) und gegen die zerstörung von menschlichkeit durch den "ganz normalen" konsumterror.

In den jahren nach 1980 konnte ich eigene seelische defizite überwinden und mich weiterentwickeln - über die nachholende orientierung an kindlicher lebendigkeit (nicht vorrangig im erotischen sinne!) hinaus. Auch darüber steht einiges in den autobiografischen büchern. Eine pädosexuelle "veranlagung" habe oder hatte ich nicht, genausowenig irgendwelche neigungen zu machtausübung über kinder oder andere menschen. Allerdings gab und gibt es in mir einen kindlichen persönlichkeitsanteil (Ego State), der bis etwa 1975 relativ dominant war.

Bereits seit 1978 wurde von alice schwarzer, florence rush und alice miller auf das weitverbreitete vorkommen von sexueller grenzüberschreitung/gewalt/inzest gegenüber kindern und die schwerwiegenden seelischen folgen für diese hingewiesen. Dennoch profilierten die publikumsmedien noch viele jahre lang den "kinderschänder" als seltene abartige ausnahmefigur. Auch ich wurde aufmerksam für das alltägliche vorkommen von sexualisierter gewalt gegen kinder erst durch fachliche kontakte mit betroffenen/überlebenden im psychiatrischen krankenhaus (seit 1995). Seither kann ich für die legalisierung sexueller kontakte zwischen kindern und erwachsenen nicht mehr eintreten. Aus diesem grund hatte ich mich etwa 1997 von der INDIANERKOMMUNE distanziert (und das denen auch geschrieben.)
In einigen der hier veröffentlichten büchern habe ich versucht, so ehrlich wie möglich die komplexen seelischen und psychosozialen zusammenhänge der damaligen erfahrungen und empfindungen zu verdeutlichen. Dabei ging es mir immer um zweierlei:

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  •                                     > Um die situation von kindern, die in ihrer realen seelischen situation nicht wahrgenommen werden von angehörigen und die sich deshalb andere bezugspersonen suchen – und dann in gefahr sind, an die falschen zu geraten, sowie
  •                                    > um die situation von erwachsenen mit erheblichen entwicklungsdefiziten, die sich im sinne einer regressiven neigung an kindern oder jugendlichen orientieren. Sie müssen deswegen keine pädosexuelle "veranlagung" haben, sie müssen auch keine täter sein – aber es besteht eine große gefahr, daß sie es werden. Auch solche menschen brauchen ernsthafte, öffentlich auffindbare hilfsangebote. Die gibt es noch immer so wenig wie vor 30 jahren!
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Als 1981 die eltern eines durch einen sexualtäter ermordeten mädchens in den medien auf das allgemeine öffentliche desinteresse an gesellschaftlichen umständen hinwiesen, durch die solche täter bzw. taten entstehen, ernteten sie haßerfüllte briefe und telefonate (siehe hier im anhang zu 'Schweinisch wird kritisch und physisch!'). - Ich hatte in einem TAZ-leserbrief (14.1.83) geschrieben, in den "schlimmen erfahrungen mit pädophilen beziehungen kommt durchaus machtmißbrauch von (v)erwachsenen zum ausdruck, nur wird dieser machtmißbrauch möglich erst durch gesetze, die erwachsenen menschen in jeder weise schrankenloses recht auf gewalt gegen nicht-erwachene menschen geben" und hatte "ernsthafte, sachliche, lebendige auseinandersetzung mit pädophilie" gefordert. Darin zumindest hat sich meine auffassung nicht geändert.
Wir müssen endlich von den medienkonformen "entweder-oder"-argumenten wegkommen, sonst können wir manches nicht verstehen und dann auch nicht ändern. Die dämonisierung von menschen mit pädosexuellen empfindungen ist ausdruck hilfloser resignation. Es geht mir in diesem zusammenhang nicht um "täterschutz", sondern um täterorientierte prävention.

Dennoch muß solidarität, hilfe und therapie für opfer/überlebende priorität haben!  (Siehe hierzu die INITIATIVE PHÖNIX.)
 

"Es muss in jedem Ort Therapieangebote zur Prävention von Kindesmissbrauch geben.Das muss so gut beworben werden dass jeder der ein Problem hat eine Möglichkeit bekommt das man ihm hilft. Denn ich bin überzeugt dass es viele verantwortungsbewusste Menschen mit pädophilen Neigungen gibt die Hilfe brauchen und gerne in Anspruch nehmen." (stefan neudorfer am 18.3.2010 23:09 www.faz.net)
Meine online-veröffentlichung auch solcher in manchem angreifbaren aufzeichnungen versteht sich als beitrag dazu, öffentliche tabuisierung und denkverbote zu überwinden. Dies ist kein widerspruch zur niederschwelligen information über psychotraumatologische zusammenhänge (z. b. auf der website der T.B.L.), sondern eine wie mir scheint notwendige ergänzung. –
Ich stehe weiterhin uneingeschränkt auf der seite von opfern/überlebenden, bin jedoch gerne bereit, mich an ernsthaften gesprächsangeboten auch zu diesen themen zu beteiligen.
Mondrian v. lüttichau

 

Das © für die veröffentlichungen von A&C ONLINE liegt bei mondrian w. graf v. lüttichau (außer jeweils angegeben).

Die bücher können für den privatgebrauch kostenfrei heruntergeladen und ausgedruckt werden. Jede weitergehende nutzung bedarf der schriftlichen genehmigung der rechteinhaber.